Dürfen wir Gott spielen?

Ethik und Wissenschaft

Man stelle sich eine Welt ohne Zika-Virus, ohne Malaria und ohne Parasiten vor. Eine Welt, in der man auf Knopfdruck die schlimmsten Krankheitserreger einfach verschwinden lässt. Oder ein eigenes Lebewesen von Menschenhand kreiert. Diese Vorstellung könnte schon bald real sein. Das ist nicht Science Fiction sondern reine Wissenschaft. Gene Drive ist eine neue Methode, in der Turbo-Gene in die Natur eingespeist werden und in binnen weniger Wochen den Fortgang der Evolution grundlegend verändern können. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Genmanipulationen ist Gene Drive eine extrem effektive Methode zur Unterdrückung unerwünschter Gene und Verbreitung erwünschter Gene.

Was ist Gene Drive genau? Erklärung folgt im Video:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=KgvhUPiDdq8

Diese Methode der Genmanipulation ließe sich jetzt in dieser Sekunde problemlos anwenden. Noch heute könnten wir den ersten Schritt wagen und die ganze Welt von Malaria befreien. Man stelle sich vor, wie viele Menschenleben gerettet werden könnten. Aber was lässt die Forscher an der Umsetzung zweifeln? Es ist eine ethische Frage.

Wer einmal ein solches Gene Drive manipuliertes Gen in die Natur setzt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Das Gen würde sich unkontrolliert in der ganzen Welt verbreiten. Dies bedeutet nicht nur das Aussterben der Malariamücke, sondern auch einen Eingriff in die natürliche Nahrungskette aller Lebewesen. Die Folge: ein kleiner Eingriff würde sich auf das gesamte Ökosystem fatal auswirken. Das Ökosystem ist nicht zu vergleichen mit den sterilen Laboren, in denen die Genforscher ihre Tests durchführen. In Deutschland unterliegt die Gene Drive Methode laut Gentechnikgesetz der Sicherheitsstufe 2. Somit geht man zumindest von einem geringen Risiko aus.

Der Gene Drive Pionier Kevin Esvelt warnt in einer Ausgabe des Spiegels davor, dass die Manipulationstechnik auch als Biowaffe missbraucht werden könnte. Ein gefundenes Fressen für Terroristen. Die Folgen eines solchen Missbrauchs wären unvorstellbar. Wir könnten nicht mal voraussagen, ob diese Genveränderung möglicherweise auch uns betrifft, denn wir sind ja selbst ein Teil dieses Ökosystems, in dem wir leben.
Der Mensch ist längst dazu in der Lage, Herr über alle Lebewesen zu werden. Aber sind wir einer solchen Aufgabe gewachsen? Dürfen wir Gott spielen?

Quellen:
Johann Grolle (2016): Bildhauer des Lebens. In: Der Spiegel, Nr.10, S.107f., Hamburg 2016.

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