Die Höhlenmenschen der Gegenwart

Medienrealität und Wirklichkeit

Welche Medien haltet Ihr für glaubwürdig, welche nicht? Und warum?

Seid Ihr der Meinung, dass die Journalisten ihrer schweren Aufgabe noch gerecht werden? Kennt Ihr Beispiele für guten und schlechten Journalismus?

Drei Menschen sitzen angekettet in einer Höhle. Seit ihrer Geburt liegen sie in Ketten und blicken auf eine Felswand. Hinter ihnen befindet sich ein Feuer, davor einige Gegenstände. Die Schatten der Gegenstände werden an die Höhlenwand projiziert. Das ist die Realität – die Höhlenmenschen kennen seit ihrer Geburt nur die Schattenbilder, nicht die echten Gegenstände. Sie halten die Abbilder für die Realität. Eines Tages kommt einer der Männer auf die Idee, sich aus seinen Ketten zu befreien. Er befreit sich mit Mühe und Kraft – er leidet. Aber er schafft es. Den schweren Weg aus der Höhle heraus nimmt er zu allem Übel auf sich. Als der zum ersten Mal an der Erdoberfläche angelangt sieht er: Nichts. Er ist wie blind, weil seine Augen nicht das Licht, die Farben und die Wärme kennen. Doch nach nur wenigen Tagen gewöhnen sich seine Augen an das Licht. Die Welt ist hier oben so viel anders, so viel schöner und besser. In der Höhle sitzen noch zwei andere. Auch sie sollen die Wirklichkeit sehen. Als er schweren Herzens zurück in die Höhle geht um seine Mitmenschen aus ihren Fesseln zu befreien, wird er schwer enttäuscht. Sie lachen ihn aus, spotten und albern herum. „Der ist doch verrückt, nicht mehr bei Verstand!“, schimpfen die anderen Männer. Er bleibt für immer allein.

 

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Die angeketteten Höhlenmenschen sehen nur die Schatten an der Felswand.

Quelle: http://www.ulo-comics.de/allerlei/up/load/Hoehlengleichnis%20ULO_1352192700.jpg

Diese Geschichte habe ich nicht selbst erfunden. Platons Höhlengleichnis ist eine der ältesten Geschichten, die wir kennen. Das gilt besonders für die Philosophie. Aber was hat dieses Gleichnis mit Medien zu tun? Auf den ersten Blick: sehr viel sogar! In der Geschichte geht es um einen Mann, der sich aus seinen Fesseln befreit, die Höhle zum ersten Mal verlässt und etwas Erstaunliches feststellt: seine Vorstellung von Realität war vollkommen verzerrt. Er sah bloß Abbilder. Auch wir sind Höhlenmenschen. Warum? Auch wir sitzen auf dem Sofa und glotzen auf den flimmernden Fernseher oder Bildschirm. Auch wir liegen oft in Fesseln – in den verführerischen Fesseln der Bequemlichkeit. Wir lassen uns gerne „berieseln“. Das gemütliche Wohnzimmer verlassen? Das Haus verlassen und sich selbst ein Bild von der Realität machen? Nein, wir lieben die Bequemlichkeit.

In der heutigen Zeit haben die Medien eine besondere Verantwortung: sie haben mehr Macht als je zuvor. Wir können (sie) nicht mehr abschalten. Ein Plakat in der Straße auf dem Weg zur Arbeit, während das Radio läuft, auf dem Smartphone habe ich zwei, drei neue Whatsapp Nachrichten und eine Push-Mitteilung von Spiegel Online. Medien sind überall. Abbilder sind überall. Fesseln sind überall. Für Journalisten bedeutet dies vor allem eines: Journalismus hat Macht, hat Verantwortung für all die Menschen da draußen. Kurz: Journalismus heißt Aufklärung. Zu oft sehen wir nur Ausschnitte, Abbilder, Verzerrungen. Wo ist aber die Wirklichkeit? Können wir den Medien immer Glauben schenken? In einer Welt mit Sensationsgeilheit und bröckelnder Qualität im Journalismus? Nein, nicht immer. Der Leser ist nicht länger Leser. Er wird selbst Journalist, indem er kommentiert, bewertet und teilt – das Stichwort lautet: Soziale Netzwerke. Aufklärung ist die Aufgabe des Journalisten – und des Lesers!

Bitte kommentiert und bewertet! Ich freue mich auf eure Kommentare und Beiträge zu diesem Thema. Die Fragen in der Einleitung sollen Anhaltspunkte zur Diskussion sein!

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10 Gedanken zu “Die Höhlenmenschen der Gegenwart

  1. Hey 🙂
    Dein Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Platons Gleichnis kannte ich schon vorher, habe es aber nie auf ein aktuelles Thema angewendet. Ich finde die Idee, das Höhlengleichnis mit der Medienrealität zu verbinden, echt interessant. Sehen wir nur Abbilder, die wir für die Realität halten? Können wir überhaupt noch etwas glauben, was wir nicht mit eigenen Augen gesehen hat? Und bekanntlich hat ja auch jeder Mensch eine eigene Wahrnehmung. Können wir also Eindrücke anderer Menschen überhaupt als Realität ansehen oder sind diese nur Abbilder, die uns beschrieben werden?
    Als der Mann, der sich von den Ketten befreit hat, aus der Realität zurück in die Höhle kommt, verspotten ihn die anderen Menschen. Sie glauben ihm nicht, halten ihn für verrückt. Da stellt sich die Frage, ob wir irgendwann vielleicht gar nichts mehr ohne das „Verbindungsstück Medien“ sehen und beurteilen, wenn die Digitalisierung weiter so fortschreitet. Bilden wir uns dann keine eigenen Meinungen mehr, sondern übernehmen das, was uns erzählt wird? Und ist das teilweise nicht heute schon so…?

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    • Hey, vielen Dank für deinen Beitrag! Das Höhlengleichnis kann man tatsächlich gut auf aktuelle Themen übertragen. Diese Fragen sind mit Sicherheit nicht einfach zu beantworten. Gerade das Hinterfragen vergessen die Menschen in der heutigen Zeit viel zu oft… Die Beschreibung „Verbindungsstück Medien“ finde ich absolut passend! 🙂

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  2. Tristan Rosenkranz

    „Fesseln der Bequemlichkeit“ kann man im Falle der Medien mühelos noch um ideologische Fesseln ergänzen. Gerade in einem Themengebiet, in dem ich mich jahrelang engagierte und es noch tue (Gleichberechtigung von Vätern und männlichen Opfern häuslicher Gewalt (überhaupt im gesamten Geschlechterthema)) strotzen die Medien nur so vor Feindbildern, Stereotypen, Tatsachenverzerrungen und Diskreditierungen. Dass das nicht Methode hat, ist kaum zu glauben. Aber das ist ein anderes Thema…

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    • Respekt, dass es Menschen gibt, die sich mit solch schwierigen Themen ernsthaft auseinander- und sich dafür einsetzen! Insbesondere die Glaubwürdigkeit der Medien leidet momentan stark unter dem Image „Lügenpresse“. Den zukünftigen Journalisten kommt eine schwierige Aufgabe zu: Sie müssen den Journalismus neu aufbauen und zu einem Fundament für klare, objektive Erkenntnisse machen.

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      • Tristan Rosenkranz

        Da läuft vieles schief und die Verkaufszahlen sinken kontinuierlich bei den Printmedien. Auf kurz oder lang können herkömmliche Presseverlage die Augen vor neuen journalistischen Modellen wie „Krautreporter“ nicht mehr verschließen. Vom ständigen Erzeugen von Feindbildern als Kardinalfehler mal ganz abgesehen.

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      • Ja, definitiv! Man könnte auch von einer allumfassenden Medienkrise sprechen. Dass gerade der Printjournalismus auf einem sinkenden Boot sitzt, ist fatal. Insbesondere im Printjournalismus steht Glaubwürdigkeit im Vergleich zu den Sozialen Medien an erster Stelle. Gute und seriöse Journalisten sind teuer und passen absolut gar nicht in das moderne „Online-Journalismus-Modell“. Zudem werden die Konsumenten in Sozialen Netzwerken zu Produzenten. Da fragt sich der Kritiker: Tut das der Meinungsvielfalt gut? Oder verwischt die Grenze zwischen Amateurjournalismus und Qualität?

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      • Tristan Rosenkranz

        Letzteres. Und macht es Kritikern leichter, zu pauschalisieren.

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      • Ich bin mal gespannt wie sich die ganze Thematik in den nächsten Jahren entwickeln wird. Eines steht jedenfalls fest: die Journalisten sind jetzt in der Bringschuld.

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      • Tristan Rosenkranz

        Ich bin auch gespannt. Vor allem auch, inwieweit sich neue Modelle durchsetzen und etablieren werden.

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      • Die sogenannte Paid-Content-Frage kann denke ich erst beantwortet werden, wenn im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen ist: qualitativer Journalismus hat (auch online) seinen Preis…

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