Zitat des Tages

„Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit damit, das Leben eines anderen zu leben.“

Steve Jobs (1955-2011), Mitgründer von Apple

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Dürfen wir Gott spielen?

Ethik und Wissenschaft

Man stelle sich eine Welt ohne Zika-Virus, ohne Malaria und ohne Parasiten vor. Eine Welt, in der man auf Knopfdruck die schlimmsten Krankheitserreger einfach verschwinden lässt. Oder ein eigenes Lebewesen von Menschenhand kreiert. Diese Vorstellung könnte schon bald real sein. Das ist nicht Science Fiction sondern reine Wissenschaft. Gene Drive ist eine neue Methode, in der Turbo-Gene in die Natur eingespeist werden und in binnen weniger Wochen den Fortgang der Evolution grundlegend verändern können. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Genmanipulationen ist Gene Drive eine extrem effektive Methode zur Unterdrückung unerwünschter Gene und Verbreitung erwünschter Gene.

Was ist Gene Drive genau? Erklärung folgt im Video:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=KgvhUPiDdq8

Diese Methode der Genmanipulation ließe sich jetzt in dieser Sekunde problemlos anwenden. Noch heute könnten wir den ersten Schritt wagen und die ganze Welt von Malaria befreien. Man stelle sich vor, wie viele Menschenleben gerettet werden könnten. Aber was lässt die Forscher an der Umsetzung zweifeln? Es ist eine ethische Frage.

Wer einmal ein solches Gene Drive manipuliertes Gen in die Natur setzt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Das Gen würde sich unkontrolliert in der ganzen Welt verbreiten. Dies bedeutet nicht nur das Aussterben der Malariamücke, sondern auch einen Eingriff in die natürliche Nahrungskette aller Lebewesen. Die Folge: ein kleiner Eingriff würde sich auf das gesamte Ökosystem fatal auswirken. Das Ökosystem ist nicht zu vergleichen mit den sterilen Laboren, in denen die Genforscher ihre Tests durchführen. In Deutschland unterliegt die Gene Drive Methode laut Gentechnikgesetz der Sicherheitsstufe 2. Somit geht man zumindest von einem geringen Risiko aus.

Der Gene Drive Pionier Kevin Esvelt warnt in einer Ausgabe des Spiegels davor, dass die Manipulationstechnik auch als Biowaffe missbraucht werden könnte. Ein gefundenes Fressen für Terroristen. Die Folgen eines solchen Missbrauchs wären unvorstellbar. Wir könnten nicht mal voraussagen, ob diese Genveränderung möglicherweise auch uns betrifft, denn wir sind ja selbst ein Teil dieses Ökosystems, in dem wir leben.
Der Mensch ist längst dazu in der Lage, Herr über alle Lebewesen zu werden. Aber sind wir einer solchen Aufgabe gewachsen? Dürfen wir Gott spielen?

Quellen:
Johann Grolle (2016): Bildhauer des Lebens. In: Der Spiegel, Nr.10, S.107f., Hamburg 2016.

Der alte Mann und… der Supermarkt?!

Medienrealität und Wirklichkeit

In der gemütlichen Weihnachtszeit gab es nicht nur Adventsgebäck, Geschenke und warmen Tee. EDEKA bot uns nämlich noch etwas viel besseres: einen Werbespot. Warum ist das jetzt bemerkenswert? Und was hat das mit der Weihnachtszeit zu tun? Wenn ein Werbespot auf Youtube mehr als 47 Millionen Klicks zählt, dann ist das bemerkenswert, oder? Der EDEKA-Werbespot war nicht irgendein Spot. In dieser Werbung geht es anscheinend viel mehr um Emotionen, als um frische Lebensmittel an der Käse- und Wursttheke. Nach „Supergeil“ mit Friedrich Liechtenstein folgt hier also der nächste große Werbe-Hit – #heimkommen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=V6-0kYhqoRo

Ein alter Mann, der einsam ist. Eine Familie, die keine Zeit für ihn hat. Nicht mal an Weihnachten. Wenn das nicht traurig ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Dann muss der gute Mann zu allem Übel auch noch seinen Tod vortäuschen, damit ihn überhaupt mal jemand ausnahmsweise besucht. Aber dann passiert die große Überraschung: er lebt doch noch! Alles ist gut! Wie schön… Die Musik schwängt aus der melancholischen Depri-Musik ruckartig um in eine fröhliche, harmonische Hintergrundmusik. Da ist man doch fast zu Tränen gerührt. Dass es eigentlich nur um Eier, Geflügel und Möhren geht, hat man als Zuschauer schnell vergessen. Die Geschichte bleibt aber hängen. Der alte Mann, der glücklich wird – zugegebenermaßen über „kleine“ Umwege.

Werbung kann mehr als zum Kaufen anregen. Werbung kann nämlich tief in unser Bewusstsein eindringen. Wenn der Spot bei euch schon Emotionen hervorgerufen hat, werdet auch ihr schon einige Assoziationen mit EDEKA verknüpfen. Und genau das ist doch das Ziel von guter Werbung: den Zuschauer an die Marke binden, bestenfalls sogar mittels seines Unterbewusstseins.

In Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ sehen wir auch einen alten Mann, der ganz einsam auf das Meer hinausfährt und sich behaupten muss. Als er einen großen Fisch am Haken hat, wird dieser einige Tage später von Haien verspeist. Was er den Menschen an Land präsentiert, ist lediglich das Skelett des Fisches. Die große Anerkennung bekommt er trotzdem schlussendlich. Zugegeben mit Hemingways Meisterwerk hat unser EDEKA-Werbespot reichlich wenig zu tun, aber dennoch: der Grundsatz ist ähnlich. Über mühevolle Umwege wird ein alter Mann endlich glücklich. Hätte Hemingway doch nur schon damals gewusst, dass EDEKA so schönen Stoff für gute Geschichten liefern kann…

Wer eine verdammt gute Parodie sehen möchte, klickt hier: https://www.youtube.com/watch?v=ifg6SHfpMxE

Spiegel-Titelbild „Wir schaffen Das“

Medienrealität und Wirklichkeit

Hey Hobbyphilosophen!

Wo wir schon beim Thema Medienrealität sind:
Der Spiegel hat mal wieder eine neue Ausgabe herausgebracht. Das neue Titelbild regt zum Nachdenken an, oder?

Spiegeltitelbild Heft 10/2016

Europa – eine Festung? Flüchtlinge verharren vor den Toren Europas. Angela Merkel ist bloß ein kleiner blauer Punkt, der kaum auffällt…

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/

Wie sieht die Zukunft Europas aus? Wo werden wir in fünf, zehn, 20 Jahren stehen? In dieser Spiegel-Ausgabe geht es vor allem um eines: Europa droht sich in Einzelteile zu zerstreuen. Das ist durchaus ein Grund zur Sorge. Ein Europa, das zusammenhält, durch Krisen geht und diplomatische Beziehungen pflegt, ist unser Europa schon lange nicht mehr. Das Wort „Flüchtlingskrise“ steht quasi schon als Synonym für ein Zeitalter, in dem alle Staaten auseinander driften. Kann ein solches Europa wirklich bestehen?

Zur Thema Medienrealität

Wörter wie „Flüchtlingskrise“ oder „Flüchtlingswelle“ lösen in unseren Köpfen viele Assoziationen aus. Interessant zu beobachten ist doch, dass die Metapher „Flüchtlingswelle“ eine Bedrohung impliziert. Eine Welle, ein Tsunami, der auf uns zuströmt. Nicht zu verhindern. Wir werden von der großen Welle erfasst. Ein Sturm zieht auf.  Was ich hiermit gerne zeigen möchte ist: Medien spielen mit unserer Vorstellungskraft. Allein wenige Wörter, ja sogar Silben, lösen in uns Gefühle und Emotionen aus. Wir verlieren dadurch oft den Sinn für das Sachliche, das Objektive. Dabei wäre gerade eine nüchterne Denkweise von Nöten.

Wo seht ihr Europa angesichts der politischen Spannungen in ein paar Jahren?

Polarisiert der Spiegel hier eurer Meinung nach?

Die Fragen sind lediglich Anhaltspunkte zur Diskussion. Über eure Beiträge freue ich mich!
Weiteres zum Thema Medienrealität folgt in den nächsten Tagen!